Aachen. Sie kamen als Fremde im Jahr 1990, längst schon sind sie echte
Freunde geworden: Die sympathischen Damen und Herren des ukrainischen
Folklore-Ensembles «Junist». Alle Jahre wieder, wenn die Adventszeit beginnt,
reisen die Künstler an.
In ihrer Heimat, in Lviv (Lemberg), freuen sie sich das ganze Jahr über auf die
Fahrt nach Aachen, auf das Wiedersehen mit Karl Sion, dem Organisator und
damaligen Löschzugführer der Eilendorfer Wehr, der die Auftritte in Aachen und
der ganzen Region ermöglicht hat.
Mit einem Hilfstransport der Eilendorfer Wehr im Jahre 1990, der die Not in der
Millionenstadt Lviv lindern helfen sollte, fing alles an. Bald auch mit «Junist» und
den Besuchen in Aachen, bei den «Freunden der Eilendorfer Wehr».
So ist es nicht verwunderlich, dass sich «Junist» hier rasch einen guten Namen
machte. Ihre Auftritte in Kirchen, Schulen, Alteneinrichtungen, Krankenhäusern,
bei Vereins- und Adventsfeiern häuften sich von Jahr zu Jahr.
Tagtäglich befindet sich das Ensemble auf Achse, um alle Wünsche erfüllen zu
können. Mehr als 110 Auftritte kommen zusammen und alle sind kostenlos.
Dafür wird am Ende einer jeden Veranstaltung eine Sammlung gemacht. Das
Geld kommt in der Heimat den kranken Kindern von Tschernobyl zugute. Die Not
ist dort nach wie vor groß, das Engagement der Truppe jedoch ungebrochen.
Jetzt war «Junist» in der Grundschule Bildchen zu Gast, um am letzten Schultag
die Abschlussfeier im Advent musikalisch zu gestalten. Schulleiterin Elisabeth
Aretz, die an ihrer Schule Kinder aus neun Nationen beherbergt, hatte sich einen
besonderen Gag einfallen lassen: Wadim, ebenfalls aus der Ukraine, und Robert
aus Kasachstan, begrüßten die Gäste in ihrer Heimatsprache.
Verwunderung und Freude bei den Künstlern und Künstlerinnen, die sich prompt
musikalisch, gesanglich und tanzend auf ihre Art bedankten. Hausmeister
Manfred Haubold schwärmte vom ersten Junist-Auftritt in Bildchen: «Was die
Politik oftmals nicht fertig bringt, klappt hier hervorragend.»
Von einer guten Sache erzählte auch Professor Michail Waniowskij, der in Lviv
den «Kulturpalast» für Musik und Tanz leitet. «Sie sehen, wie die Menschen
prima auskommen und ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten.»
Seit zwei Jahren begleitet Bürgermeisterin Sabine Verheyen «Junist» bei ihren
Schulauftritten. Auch in Bildchen war sie wieder dabei. «Es ist äußerst wichtig,
über den kulturellen Austausch das Verständnis zu wecken», meinte sie und
empfahl das Beispiel zur Nachahmung.
Was «Junist» bot eine Augenweide und einen Ohrenschmaus. Auch die
weihnachtlichen Lieder, sogar in deutscher Sprache vorgetragen, wurden leise
mitgesungen. Ein kleines Mädchen sagte stellvertretend für die ganzen
Schülerinnen und Schüler: «Das war heute eine schöne Feier, uns hat es allen
gut gefallen.»
Diesem Urteil schloss sich Elisabeth Aretz gerne an, sie überreichte dem
Ensemble 576 Mark, gespendet von Kindern und Eltern. «Ich wünsche Ihnen ein
friedliches Weihnachtsfest», bedankte sie sich herzlich.
Am Zweiten Weihnachtstag um 18.30 Uhr ist «Junist» in der Pfarrkirche St.
Donatus in Brand zu hören. Heiligabend feiern die Gruppe gemeinsam im
Eilendorfer Feuerwehrhaus, wo auch eine Bescherung stattfinden wird, die Karl
Sion mit Sohn Thomas, dem heutigen Löschzugführer, organisiert haben. Um 22
Uhr wird «Junist» dann in Düren auftreten. Am 27. Dezember geht es dann
zurück in die ukrainische Heimat.
Günther Sander,
21.12.2001 18:48