Bericht der Aachener Zeitung vom 22.12.2001


  Und wieder überzeugt Junist
Ukrainische Gruppe zu Gast bei Schülern - Freunde seit elf Jahren

Aachen. Sie kamen als Fremde im Jahr 1990, längst schon sind sie echte Freunde geworden: Die sympathischen Damen und Herren des ukrainischen Folklore-Ensembles «Junist». Alle Jahre wieder, wenn die Adventszeit beginnt, reisen die Künstler an.

In ihrer Heimat, in Lviv (Lemberg), freuen sie sich das ganze Jahr über auf die Fahrt nach Aachen, auf das Wiedersehen mit Karl Sion, dem Organisator und damaligen Löschzugführer der Eilendorfer Wehr, der die Auftritte in Aachen und der ganzen Region ermöglicht hat.

Mit einem Hilfstransport der Eilendorfer Wehr im Jahre 1990, der die Not in der Millionenstadt Lviv lindern helfen sollte, fing alles an. Bald auch mit «Junist» und den Besuchen in Aachen, bei den «Freunden der Eilendorfer Wehr».

So ist es nicht verwunderlich, dass sich «Junist» hier rasch einen guten Namen machte. Ihre Auftritte in Kirchen, Schulen, Alteneinrichtungen, Krankenhäusern, bei Vereins- und Adventsfeiern häuften sich von Jahr zu Jahr.

Tagtäglich befindet sich das Ensemble auf Achse, um alle Wünsche erfüllen zu können. Mehr als 110 Auftritte kommen zusammen und alle sind kostenlos. Dafür wird am Ende einer jeden Veranstaltung eine Sammlung gemacht. Das Geld kommt in der Heimat den kranken Kindern von Tschernobyl zugute. Die Not ist dort nach wie vor groß, das Engagement der Truppe jedoch ungebrochen.

Jetzt war «Junist» in der Grundschule Bildchen zu Gast, um am letzten Schultag die Abschlussfeier im Advent musikalisch zu gestalten. Schulleiterin Elisabeth Aretz, die an ihrer Schule Kinder aus neun Nationen beherbergt, hatte sich einen besonderen Gag einfallen lassen: Wadim, ebenfalls aus der Ukraine, und Robert aus Kasachstan, begrüßten die Gäste in ihrer Heimatsprache.

Verwunderung und Freude bei den Künstlern und Künstlerinnen, die sich prompt musikalisch, gesanglich und tanzend auf ihre Art bedankten. Hausmeister Manfred Haubold schwärmte vom ersten Junist-Auftritt in Bildchen: «Was die Politik oftmals nicht fertig bringt, klappt hier hervorragend.»

Von einer guten Sache erzählte auch Professor Michail Waniowskij, der in Lviv den «Kulturpalast» für Musik und Tanz leitet. «Sie sehen, wie die Menschen prima auskommen und ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten.»

Seit zwei Jahren begleitet Bürgermeisterin Sabine Verheyen «Junist» bei ihren Schulauftritten. Auch in Bildchen war sie wieder dabei. «Es ist äußerst wichtig, über den kulturellen Austausch das Verständnis zu wecken», meinte sie und empfahl das Beispiel zur Nachahmung.

Was «Junist» bot eine Augenweide und einen Ohrenschmaus. Auch die weihnachtlichen Lieder, sogar in deutscher Sprache vorgetragen, wurden leise mitgesungen. Ein kleines Mädchen sagte stellvertretend für die ganzen Schülerinnen und Schüler: «Das war heute eine schöne Feier, uns hat es allen gut gefallen.»

Diesem Urteil schloss sich Elisabeth Aretz gerne an, sie überreichte dem Ensemble 576 Mark, gespendet von Kindern und Eltern. «Ich wünsche Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest», bedankte sie sich herzlich.

Am Zweiten Weihnachtstag um 18.30 Uhr ist «Junist» in der Pfarrkirche St. Donatus in Brand zu hören. Heiligabend feiern die Gruppe gemeinsam im Eilendorfer Feuerwehrhaus, wo auch eine Bescherung stattfinden wird, die Karl Sion mit Sohn Thomas, dem heutigen Löschzugführer, organisiert haben. Um 22 Uhr wird «Junist» dann in Düren auftreten. Am 27. Dezember geht es dann zurück in die ukrainische Heimat.

Günther Sander, 21.12.2001 18:48



zuletzt geändert aretz, 22.12.2001